Sankt Hubertus, hilf!

Zum Feiertag der Jägerinnen und Jäger plaudert ein Mitglied der Kreisjägerschaft Pinneberg aus dem Nähkästchen

Eines vorweg: Die folgenden Ereignisse sind kein Jäger-Latein, sondern wahre Erlebnisse von Thorsten Thies (50), der das rund 540 Hektar Stadtrevier Elmshorn gepachtet hat. Zum Hubertustag, dem Feiertag der Jägerinnen und Jäger am 3. November, sind sie Indizien dafür, warum „Jagdausübungsberechtigte“ manchmal himmlische Hilfe ganz gut gebrauchen können – insbesondere in so dicht besiedelten Gebieten wie dem Kreis Pinneberg, wo Wild und Mensch häufiger mal in Kontakt kommen.

Episode 1: Ein älteres Paar war verzweifelt. Mehrfach wurde der Garten am Stadtrand von einem Wildschwein heimgesucht- die liebevoll angelegten Rabatten sahen danach aus, wie ein frisch gepflügter Acker. Jäger Thies wurde um Hilfe gebeten. Er stellte einen Ansitzwagen an den Ort des Geschehens, so, dass er den Garten nicht nur beobachten konnte, sondern auch freies Schussfeld hatte, um den Störenfried gefahrlos zu erlegen. Das allerdings gefiel offenkundig nicht jedem. Nur drei Tage später wurde der Ansitzwagen in Brand gesetzt. Thies brach die Aktion ab – das Wildschwein konnte weiterwühlen. „Aber danach haben wir die Gegend häufiger besucht“, sagt Thies, vorzugsweise bei Vollmond. Und einige Zeit später erwischte Thies ein Wildschwein rund 400 Meter vom Garten entfernt. Ob Thies den Übeltäter erlegte, ist nicht klar. Sicher ist nur: Seitdem ist Ruhe im Garten.

Episode 2: Bei der Hasenjagd im Gebiet Papenhöhe, begleitet die Jäger seit Jahren ein ganz besonderer Freund. Ein Mann taucht auf, ausgerüstet mit metallenen Topfdeckeln. Um nach eigenem Bekunden die Tiere zu retten, läuft er vor der Jagdgesellschaft her, macht Höllenlärm, um die potenziellen Opfer zu verscheuchen und so vor den Kugeln zu retten. Jedoch: Es handelt sich um eine so genannte „Klapperjagd“, bei der mit Geräuschen das Wild aufgescheucht wird – genau vor die Flinten der Jäger. Der „Tier-Retter“ erreicht also mit seinen Aktivitäten genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich will. Und er lernt offenbar nicht dazu, denn er kommt immer wieder. Er verschwindet allerdings auch immer schnell, bevor die alarmierte Polizei anrückt...

Episode 3: Wildunfälle haben stark zugenommen. Deshalb fährt Thorsten Thies unter anderem die Wittenberger Straße häufig ab, um zu sehen, ob sich nicht Rehwild am Straßenrand herumtreibt. Dann wird es erlegt, damit es nicht vor fahrende Autos springt. Auf einer dieser Patrouillen entdeckte Thies einen Rehbock, stellte seinen Wagen ein Stück entfernt ab und verlies ihn, um sich anzupirschen – natürlich mit der Büchse unterm Arm. Einige Zeit verbrachte er mit der Suche am Straßenrand, doch statt des Rehwildes entdeckte er etwas anderes: 16 zuckende Blaulichter, die auf seine Position zurasten! Sie gehörten zu acht Streifenwagen der Polizei. Anstatt dass Thorsten Thies das Wild stellte, wurde nun er gestellt und blickte dabei auch kurz in die Mündung einer Maschinenpistole. Wie sich später herausstellte, hatte ein Passant Thies mit der Waffe herumschleichen sehen und ihn wohl für einen Terroristen gehalten. Das Missverständnis konnte zwar rasch aufgeklärt werden, aber Thorsten Thies war es eine Lehre: „Immer, bevor ich jetzt abends losfahre und die Gefahr besteht, von Personen gesehen zu werden, für die Jagd und Jäger nicht so vertraut sind, informiere ich die Einsatzleitstelle der Polizei.“

Episode 4: Nicht nur wilde Tiere sondern auch wild gewordene Haustiere beschäftigen Thorsten Thies. Und um ihrer Herr zu werden, benötigt er manchmal sogar „Damenunterwäsche“. Das war der Fall, als der Jäger gerufen wurde, weil eine ausgebrochene Kuh im Vorgarten in der Nähe der Elmshorner Trabrennbahn verschnaufte. Sie hatte bei ihrer Flucht die Bäuerin umgerannt und war auch auf alle weiteren Menschen ziemlich sauer, sodass sie nicht eingefangen werden konnte. Thorsten Thies wurde von der Polizei hinzugerufen, musste mit seinem Gewehr jedoch noch etwas länger draußen in feucht-kalter Luft warten. Denn zunächst musste beratschlagt werden, von wo aus das Rindvieh denn gefahrlos zu erlegen sei. Das Ergebnis: aus dem Kinderzimmerfenster im Obergeschoss.
Thorsten Thies machte sich bereit, aber das Glas des Zielfernrohres beschlug in der warmen Kinderzimmerluft. Die Optik musste ab- und trockengewischt werden. Weil der Jäger nur einen Wollpullover trug, mit dem das aussichtslos ist, schaute er sich nach Alternativen um – und musste dabei eine Frau ausziehen, um an deren Baumwoll-Unterwäsche zu kommen. Selbstverständlich trat er keinem menschlichen Wesen zu nahe – sondern nur einer Spielzeug-Puppe, die er im Kinderzimmer fand! Dank ihres Baumwollunterhemdes war die Linse schnell getrocknet und danach die Kuh ebenso schnell erlegt.
Und dann noch: Eine Tierliebhaberin, die ein Reh mit gebrochenem Vorderlauf entdeckte und die Jäger alarmierte, um es zum Tierarzt bringen zu lassen, eine Fledermaus in einem Rechenzentrum, das eigentlich hermetisch abgeschlossen sein sollte, ein sturzbetrunkener Autofahrer, der in Thorsten Thies abgestelltem Auto seinen Rausch ausschlafen wollte, während der Jäger nach einem Wildunfall das verletzte Tier nachsuchte und eine hartnäckige Fuchs-Freundin, die die Jagdbehörde mit Beschwerdemails bombardierte, weil eine Fuchsjagd ihr nicht human genug erschien und und und....

Alles gute Gründe für zumindest kleine Stoßgebete an St. Hubertus, er möge den Menschen mehr Wissen um die Jagd vermitteln.

KJS Thorsten T.

Thorsten Thies hat in dem Dutzend Jahren auf Jagd viel erlebt – und erleiden müssen.

Kreisjägerschaft Pinneberg:
Die Kreisjägerschaft Pinneberg ist ein eingetragener Verein und Mitglied im Landesjagdverband Schleswig-Holstein.
Jäger, Jagdberechtigte und Naturliebhaber setzen sich in acht Hegeringen für das Gleichgewicht und die Vielfalt in der Natur sowie den Natur- und Artenschutz ein.

Text als PDF-Datei und Fotos zum Artikel

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