Die Jagd nach der Jagd

In Nachsuche-Seminar des Hegering I der KJS Pinneberg erfahren Jägerinnen und Jäger, wie krank geschossenes Wild möglichst schnell gefunden wird.

Selbst den besten Schützen kann es mal passieren: Ein Stück Wild wird nicht sofort tödlich getroffen, sondern nur verletzt - „krank geschossen“, wie es in der Fachsprache heißt. Das Tier kann flüchten und sich verstecken. Dann beginnt die Jagd nach der Jagd: die Nachsuche. Denn Tierschutz- und Jagdgesetz schreiben vor, dass krank geschossenes Wild schnellstmöglich erlegt werden muss, um Leiden zu ersparen.
In der Kreisjägerschaft Pinneberg gibt es Experten, die besonders viel Erfahrung auf dem Gebiet haben und die ihr Wissen in Seminaren weitergeben. Klaas Seebandt aus dem Hegering I ist einer von ihnen.

In den Kursen werden die vielen Faktoren in Theorie und Praxis vermittelt, auf die es bei einer erfolgreichen Nachsuche ankommt. Das beginnt bei der eigenen Bereitschaft, Geld in Training und Ausrüstung zu investieren, einen Hund intensiv zu trainieren und etwa die Hälfte des Jahres vor Sonnenaufgang aus dem Haus zu gehen. Das geht weiter mit psychologischen Fähigkeiten, den unglücklichen Fehl-Schützen zu beruhigen und ihm im Gespräch möglichst viele Informationen über den Ablauf zu entlocken: In welche Richtung ist das Stück geflüchtet? Hat es gezeichnet, und wenn, dann wie?

Und ist natürlich das Erkennen von Spuren und Pirschzeichen, die das Tier auf seiner Flucht hinterlässt. Klaas Seebandt: „Da muss man sich Zeit nehmen und gründlich suchen. Ein guter Hund wird immer etwas finden, aber es ist wichtig, dass sich auch Jägerinnen une Jäger ein Bild über die Lage macht und abschätzen können, was auf sie und ihre Hunde zukommt.“

Da muss man dann auch schon mal auf allen vieren über den Waldboden robben, wie es Seebandt beim Semiar in Königskoppel bei Barmstedt vormacht, um “Schweiß“, wie die Jäger das Blut nennen, Schnitt- oder Risshaare oder auch „Bodenverwundungen“ zu entdecken.

Das Vorwissen der Seminar-Teilnehmer ist unterschiedlich. Einige haben Nachsuchen-Erfahrung und sind nur noch auf der Suche nach Tipps, die meisten aber sehen in dem Seminar eine Vorbereitung auf ihr „erstes Mal“, sei es als Schütze oder als zum Anschuss gerufener Hundeführer. Klaas Seebandt und seine Kollegen aus den Kreisen Steinburg und Segeberg, haben das Seminar so aufgebaut, dass jeder etwas davon hat: „Natürlich spielt der Hund bei der Nachsuche die größte Rolle. Aber auch als Schütze kann man ihm helfen, indem man am Anschuss ein paar Sachen richtig macht.“

Im praktischen Teil des Seminars wird das mit hohem Aufwand vermittelt: Die Teilnehmer fühlen sich wie in eine Tatort-Kulisse versetzt. Weiße, zwischen die Bäume gespannte Planen beispielsweise markieren den Anschuss. Davor: auf Stangen gestelltes Verkehrsfall-Wild, eine in den Tannen versteckte Bache, eine 44 Meter entfernte Kanzel. Daneben ein Pirschzeichen-Parcours. Es wird geschaut, gefühlt, abgeschätzt und dabei immer wieder erklärt.

So ein Nachsuche-Kursus dauert etwa drei Stunden ist das Seminar vorüber. Im Anschluss ist Zeit für Gespräche und Erfahrungsaustausch untereinander und mit den anderen an der Organisation beteiligten Nachsuchen-Führern. Sie weisen Jägerinnen und Jägern noch einmal auf den wichtigsten Aspekt hin: Die Größe, Hilfe der Spezialisten anzunehmen, wenn man selbst nicht weiterkommt. Seebandt: „Niemand sollte sich scheuen anzurufen. Wir machen diese Arbeit aus Leidenschaft und Verantwortung. Kurz: Wir helfen gerne!“

Nach theoretischen Einführungen per Beamer wird beim Nachsuche-Seminar im Wald anschaulich vermittelt, welche Faktoren für den Erfolg eine Rolle spielen.

Foto: KJS
Foto: KJS

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Kreisjägerschaft Pinneberg:
Die Kreisjägerschaft Pinneberg ist ein eingetragener Verein und Mitglied im Landesjagdverband Schleswig-Holstein.
Jäger, Jagdberechtigte und Naturliebhaber setzen sich in acht Hegeringen für das Gleichgewicht und die Vielfalt in der Natur sowie den Natur- und Artenschutz ein.

Text als PDF-Datei und Fotos zum Artikel

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